Die Kunst des Weglassens oder Gembawalk mit der Nerdmama (Teil 1)

Ich bin ja bekanntlich nicht die 3K-Anhängerin, Kinder ja, Küche definitiv nein und Karriere nur zu meinen Optionen. Mit 32h/Woche gehöre ich in meinem Umfeld eher schon zu den Aliens, denn in Schaumburg ticken die Uhren noch anders. Aber das ändert sich gerade rapide.

Als ich letztes Jahr jobwechselbedingt einige Monate zu Hause war, schlich sich sofort das alte (sprich traditionelle) Muster ein, und mit einem Mal war ich (gefühlt) für alles zuständig. Für den Sommer war das ok, aber in Anbetracht des im Herbst anstehenden Wiedereintritt in das Arbeitsleben mit Abfahrt um 7:05 Uhr meinerseits und Schulstart von Kind 1 im September machte ich mir natürlich Gedanken um die Änderung der Morgenroutine.

Ein Horror ist für uns fast jeden Tag der Morgen, denn Kind 1 ist immer extrem früh wach (6:13 Uhr am WE ist schon ausschlafen!) und extrem gut gelaunt (ganz die Mama), Kind 2 ist extrem sensibel und akzeptiert keinen Morgenstress, sonst gibt es was auf die empfindlichen Ohren (6 Monate Extremschreikind mit 6-8h am Tag haben bei mir leider ein Trauma hinterlassen). Zusammen mit Montag ist das eine besonders explosive Mischung. Davon erzählte ich dann einem Ex-Kollegen beim Telefongespräch, und der Six-Sigma-Ingenieur sprach: „Du brauchst einen Gemba-walk“? Hä? Was hast du geraucht? (Er führt einen sensationellen Firmenblog, und schrieb schon mal über abergläubische Ratten). Knapp 1 Stunde später schickte er mir per Email die persönliche „Prozessaufnahme-Home“ und erbat sich Fotos von den morgendlichen „Eckpunkten“. Warum eigentlich nicht, außerdem bekam mein superpenibler Ehemann von „der Dreckecke Schuhregal und Jackenhaken“ schon Zustände. Mir ging es eigentlich nur ums länger schlafen…

Also schön von 6:00 Uhr aufstehen bis 22:00 ins Bett gehen 1 Woche lang alles aufgelistet mit dem Vorgängerprozess und Fotos. Der Herr Ingenieur schaute sich dann alles an und meinte nur: „Du musst Prozesse auf den Abend verlagern und die Lagerhaltung ist auch zu chaotisch“. Aha! Als der werte Gatte sich dann am Samstag (mal wieder) auf den Tennisplatz verzog, packte ich die Zwerge kurzerhand ins Auto und fuhr zum Möbelschweden: Mit der Aussicht auf ein Eis (was wegen der Kuhmilch-Intoleranz höchst selten vorkommt) waren wir doch glatt in 20 Minuten mit 2 „Trofast-Regalen“ wie geplant wieder draußen. Natürlich „durften“ die Zwerge dann die Regale aufbauen, während Mama endlich die Zeitung las und dann sah es schon ganz gut aus und die Abendprozesse habe ich auch artig erledigt. Zusammen mit der Reduktion auf das Wesentliche bei Klamotten (maximal 2 Jacken pro Kind, 1 Box je Kind für Mützen, Handschuhe und sonstiges) und Ausrüstung (meine Kinder haben nur eine Brotbüchse und eine Emilflasche) und der spießigen Erledigung der abendlichen Vorbereitungen (Klamotten rauslegen, Brotbüchse und Flasche rauslegen, Tasche, Jacke und Schuhe hinstellen) ergaben sich erstaunliche Ergebnisse: Es funktionierte super! Entspannung an allen Fronten, 10 min länger kuscheln/dösen und weniger Schreiattacken bei Kind2. Auch die Routine beim Heimkommen ist mittlerweile eingespielt: Schuhe ins Regal, Jacke an den Haken, Mütze/Kappe in die Box, Tasche auspacken, Hände waschen und dann simultan Mama und Papa zutexten….

Meine Freundin, die sich zuerst noch sehr über den professionellen Ansatz lustig gemacht hatte, hat es auch probiert und ist auf einmal die morgendlichen Diskussionen mit Töchterchen übers Outfit los, weil die kleine Dame das am Abend selbst rauslegt.

Kann man also nur empfehlen, man muss nur die Vorbereitung am Abend artig machen. Ansonsten sind wieder Chaos und Geschrei im Anflug…

Teil 2 folgt in Kürze “ Die Kunst des Weglassens oder den Haushalt beißen immer die letzen Hunde“

 

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Ein Kommentar zu “Die Kunst des Weglassens oder Gembawalk mit der Nerdmama (Teil 1)

  1. Vorbereitung ist (fast) alles!
    Ich lege mir auch sehr oft abends schon die Sachen raus, bei den Kindern funktioniert es aktuell ohne noch ganz gut, wird aber bei besonders stressigen Morgen auch schonmal gemacht. Spätestens wenn die Grosse ein eigenes Zimmer haben wird, soll es Teil des Abendrituals werden.
    Aktuell feile ich bei ihr gerade am Heimkommritual. Meist landen Flasche, Brotdose, Jacke und Ranzen auch schon da, wo sie hingehören 😉

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